Erster Aufzug.
Das Theater stellet eine Küche vor.
Erster Auftritt.
Volpino und die Lisel.
Sie wechseln die Ringe und halten ihr Versprechen in Geheim.
Duetto.
VOLPINO.
Liebste Lisel, mein Vergnügen,
Du mein Herz, mein Schatz, mein Kind;
Bald wird sich auch dieses fügen,
Daß wir eins in Zimmer sind.
LISEL.
Mein Volpino, meine Freude,
Mein Verlangen, meine Lust;
Bald werd ich Trotz allem Neide,
Freyer athmen von der Brust.
BEYDE zusammen.
Wenn ich dir mein Herz und Hand,
Mit dem Jawort zugewandt.
VOLPINO. Nun ist mich die Stein von das Herze, so mich immer gedrücket hat.
LISEL. Und mir ists auch leichter, weil ich itzt weis, wem ich zugehöre.
Zweyter Auftritt.
Johann und die Vorigen.
Man hört an der Kuchelthüre stark anpochen. Lisel verbirgt den Volpino im Kuchelkasten, und geht die Thüre zu eröffnen.
LISEL etwas aufgebracht. Nun! was ist dieß' für ein Lärmen?
JOHANN sich herum sehend. Nun! was ist dies für eine Art, die Kuchelthüre zu versperren? – Hast vielleicht einen Vetter bey dir?
LISEL. Ich will ihm die Ursache ganz höflich sagen: damit nicht Hunde, und jeder Lackenpatscher glat herein laufen können.
JOHANN abseits. Hänsel gieb nach!
LISEL. Was will er?
JOHANN. Der Herr von Bär und der Herr von Wolf lassen Ihr viel Schönes sagen, und hier schicken sie Ihr durch mich ein Geschenke für das Soupée, welches Sie gestern bey ihnen gekocht hat. Giebt ihr ein petschirtes Papier.
LISEL gelassen. Waren Sie also zufrieden?
JOHANN. Wie die Fürsten.
LISEL. Das freut mich. Sie eroffnet das Papier. Was? sechs Dukaten? daß heiß ich raisonnable!
JOHANN aufgeblasen. Daß hat Sie mir zu verdanken, ich habe sie vorgeschlagen.
LISEL. Sag' er, ich lasse mich schönstens bedanken; und ich wünsche nichts mehr, als beyden Herren bey uns bald das Hochzeitmal zu kochen.
JOHANN stolz. Das kömmt auf mich an. – Itzt hab ich schon ausgeredet. Will fortgehen.
LISEL abseits. Ich aber nicht. Zum Johann. Das glaub ich nicht. – Er ist zwar ein ausgestochener Kopf.
JOHANN. Sie muß wissen, daß wir drey zusammen als Buben in die Schule gegangen sind: ich weiß ihr Aufkommen, ihre Umstände, und ihre Absichten.
LISEL. Ein Glück für Beyde, daß Sie sich an den Johann gewendet haben.
JOHANN. Ja, ich könnte Ihnen ein übles Spiel machen. – Im Vertrauen: wer glaubt sie wohl, daß diese zwey Herren sind?
LISEL. Daß weiß ich nicht.
JOHANN leise. Zwey Jägerhornisten, die in der Liv ee gestanden sind; allein Sie spielten in die Lotterie auf drey Traumnummern, jeder einen Dukaten, und gewannen einen Terno Secco von 40000 Gulden.
LISEL. Daß heiß ich glücklich!
JOHANN. Jetzt reisen Sie herum, geben sich für nobilitirte Kaufleute aus, und suchen in der Fremde durch eine reiche Heurath ihr Glücke größer zu machen.
LISEL. Daß könnten Sie durch unsere Frauen.
JOHANN. Deßwegen habe ich Sie ins Haus gebracht.
LISEL. Daß wird einen Pelz absetzen!
JOHANN. Kleine hundert Dukaten; wovon ich 50 à Conto empfangen habe.
LISEL. Ja! auf die Art steht dieser Herren Glück blos in seinen Händen.
Aria.
Von Johann stolz.
Ich bin der Mann,
Auf mich kömmts an,
Diese Heurath itzt zu schlichten,
Oder gänzlich zu zernichten.
Auf mich kömmts an,
Ich bin der Mann,
Die zwey Herren zu beglücken,
Oder in April zu schicken.
Ich bin der Mann,
Auf mich kömmts an,
Zu vermännern meine Frauen;
Mehr darf ich ihr nicht vertrauen,
Denn fast jedes Frauenzimmer,
Was sie hört, das schwäzt sie immer.
Geht ab.
Dritter Auftritt.
Volpino und die Lisel.
Volpino kömmt aus dem Kuchelkasten. Die Lisel lacht.
VOLPIN. Wie froh bin ich, daß ich von der verfluchter Arrest los bin.
LISEL lacht. Wie gefällt dir diese Komödie?
VOLPIN. Nicht übel. – Wie wäre es, wenn ich und du anch einer Rolle mitspielten?
LISEL. Hum! daß läßt sich hören.
VOLPIN. Sage mir, sind deine Frauen Liebhaberinnen von die Musik?
LISEL. Unaussprechlich. – Fragst du das, weil du selbst ein gelernter Musikant bist? – Du must wissen daß die gnädige Frau, als ledig, eine deutsche Operistinn gewesen; und weil Sie der Fräule fingen gelernet, so hat Sie unser verstorbener Herr in seinen alten Tägen geheurathet.
VOLPIN. Ha! Jetzt ist meiner und deiner Rolle schon bestimmet.
LISEL. Welche Rolle wirst du spielen?
VOLPIN. Der Rolle von einer Nebenbuhler der zwey Messieurs.
LISEL aufgebracht. Was? – untersteh' dich, – ich kraze dir die Augen aus. – Das wäre mir ein Fressen!
VOLPIN. Mein Schatz! – du spielst ja mit – höre bevor meiner Plan. – Ich steh dir gut daß wir zwey bey diese Komödie sicher mehr gewinnen, als mancher Impressario bey die wälsche Opera.
LISEL. Du wärst mir ein schöner Nebenbuhler, du schwarzer Teufel.
VOLPIN. Laß' mir der Sorge. – Höre meiner Plan. – Ich werde die gnädige Frau, und die Fräule mit das Musik, und die Lugerey in mich verliebt machen; da wird mich eine jede zum Mann haben wollen; alsdann werden die zwey Messieurs natürlich in Verlegenheit kommen; dann werde ich ihnen Verstande machen, daß Sie gegen uns mit einer guter Heurathgut herausrücken müssen, wenn Sie in Ihrer Liebe wollen glücklich seyn; hieüber soll euer dummes Bedienter aus Aergerniß das schwere Noth bekommen.
LISEL. Aber was giebst du mir für eine Rolle?
VOLPIN. Du spielst la Messagiera interessata fra gli Amorosi.
LISEL. Deutsch! deutsch!
VOLPIN. Eine eigennützige Liebesunterhändlerin, zwischen mich und deine Frauen. – Du mußt von alles wissen; und wirst von mich all zeit vorhinein der Instruction bekommen, was zu machen.
LISEL. Ich bin einverstanden – du kannst deine Rolle gleich anfangen – du mußt ohnehin den Kamin im Eintrittzimmer kehren. – Ich gehe dich zu melden. Geht ab, kehrt wieder zurück. Du wirst ein Klavier im Zimmer finden.
Aria.
Von der Lisel.
Mein Volpin! darf ich dir traun
Und auf deinen Vorschlag baun?
Wirst du nicht im Spas der Sachen,
Mich zu täuschen Ernst machen?
Abseits und mürrisch.
Argwohn; lasse mich in Ruh!
Zum Volpino zärtlich.
Dir Volpin, dir trau ich zu.
Geht ab.
Vierter Auftritt.
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