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Nano(bio)technologie im öffentlichen Diskurs

AutorRoger J. Busch
VerlagHerbert Utz Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl273 Seiten
ISBN9783831608478
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
In die Nanotechnologien werden große Hoffnungen gesetzt. Einst nebeneinander forschende Disziplinen wachsen im Zugriff auf die kleinsten Teilchen zusammen und erkennen Gestaltungsmöglichkeiten ungeahnten Ausmaßes. Dieser Zugriff auf kleinste Teilchen erregt in der allgemeinen Öffentlichkeit bislang kaum Aufmerksamkeit. Man befindet sich augenscheinlich in der Phase optimistischer Nutzenerwägungen. Doch es werden auch andere Perspektiven auf diesen wichtigen, neuen Technologiebereich diskutiert. Der vorliegende Sammelband dokumentiert solche Perspektiven – nicht etwa, um Nanotechnologien einer vernichtenden Kritik zu unterziehen, sondern um einen Diskurs anzubahnen, der zum frühest möglichen Zeitpunkt natur- und geisteswissenschaftliche Kompetenzen auf einander zu beziehen und auf diese Weise zu einer gesellschaftlich konsensfähigen Gestaltung der Anwendungen zu gelangen.

Die Beiträge wurden 2007 im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Klausurwochen am Institut TTN in München erstellt, die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurden.

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Leseprobe
Zum Problemfeld (Seite 7)

»Die Assekuranz ist besorgt«, konstatierte die Swiss Re in ihrer Studie zur Risikowahrnehmung, die sie 2004 unter dem Titel ›Nanotechnologie: Kleine Teile – große Zukunft?‹ veröffentlichte. (Swiss Re 2004) Ausdrücklich hob der Schweizer Versicherungskonzern hervor, dass diese Besorgnis keine Folge neuer Schadenszenarien ist, deren Kalkulation zum Alltagsgeschäft jeder Versicherung gehört. Das spezifische Problem der Nanotechnologie identifiziert die Studie vielmehr in der prinzipiellen Unabschätzbarkeit möglicher Schadenspotenziale, womit diese Technologie zur risikotechnischen Kategorie der »revolutionären Entwicklung« (i.U. zur Kategorie evolutionärer Entwicklungen) zu rechnen sei.1 Zu diesem Ergebnis kommt die Swiss Re interessanterweise nicht erst aufgrund der Selbstorganisationsprozesse von Molekülen auf der Nano-Ebene, die ihrer Ansicht nach »noch immer in die Science-Fiction-Welt gehören « (Ebd., 8), sondern im Hinblick auf Produkte, die bereits kommerziell erhältlich sind oder in naher Zukunft (bis 2020) im Markt eingeführt sein werden. In ihrer Studie zur Risikoperzeption konzentriert sich die Expertenstudie deshalb vor allem auf das Gebiet der Nanopartikelherstellung und Materialentwicklung, die sie im Hinblick auf die potenziellen Auswirkungen für Mensch und Umwelt beschreibt. Doch um deren Potenziale insbesondere im medizinischen Bereich realistischerweise auch ausschöpfen zu können, bedarf es einer toxikologischen Langzeitforschung (Montague 2004, Royal Society &, The Royal Academy Of Engineering 2004), deren (spätere) Ergebnisse freilich immer der Fortschrittsdynamik nanotechnologischer Forschung hinterherhinken werden. In dieser Situation einer Ungleichzeitigkeit von Risikokalkül und anwendungsorientierter Technologieentwicklung wird der Erfolg dieser Forschung deshalb entscheidend von der Kultur der Risikokommunikation abhängen: »Sicher ist, dass die Nanotechnologie über kurz oder lang zum Public Issue wird.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Nano(bio)technologie im öffentlichen Diskurs8
Nano-Bio-Technologie. Eine Revolution? – Ansichten eines Chemikers21
Nanobiotechnologie aus medizinischer Sicht44
Militärische Nutzung der Nanotechnik – Gefahren, vorbeugende Begrenzungen und internationale Sicherheit49
Möglichkeiten und Risiken der Nanotechnologien61
Nanotechnologie und Qualitätssicherung67
Nano(bio)technologie im interdisziplinären Diskurs – Erkenntnisse aus der prospektiven Technikbewertung von Nanotechnologien und Ansätze zu deren Gestaltung73
Überflüssig oder Überfällig? Die Risikoregulierung auf dem Gebiet der Nanopartikel94
Über Leitbilder der Nanobiotechnologien und Schwierigkeiten der Risikobewertung108
Konkrete Risiken der Nanotechnologie im größeren Kontext – wissenschaftsgeschichtliche, wissenschaftsphilosophische und ethische Perspektiven141
Kommunikation unter Unsicherheit – Ethische Aspekte der Risikokommunikation im Bereich Nanotechnologie167
Nano-Kommunikation – Strategien zur Förderung einer realistischen öffentlichen Wahrnehmung der Nanotechnologie180
Zwischen Wissenschaftskommunikation und Meinungsbild Überlegungen zur Verbraucherkonferenz: Nanotechnologie193
Nanotechnologien in Medizin und Gesundheitswesen – Chancen und Risiken im Diskurs mit jungen Erwachsenen (Jugendforen Nanomedizin)211
Questions of Scale: Situating Bio in Scientists’ Narratives of Nanoscience and Nanotechnology234
Steht uns eine gesellschaftliche Stigmatisierung der Nanotechnologie bevor? Lehren aus der Biotechnologiedebatte249
Die Autorinnen und Autoren268
TTN-Akzente270

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