Vor und nach einer Operation
Eine gute Vorbereitung und eine positive Strategie für die Zeit danach können die Genesung deutlich beschleunigen.
Die Operation verstehen
Eine Fülle von Erkenntnissen weist darauf hin, dass die Vorbereitung auf einen größeren Eingriff – sowohl physisch als auch mental – das Ergebnis positiv beeinflussen kann. Jede größere Operation, die eine oder mehrere Übernachtungen in der Klinik erfordert, beansprucht den Körper erheblich. Deshalb ist es ratsam, so fit wie nur irgend möglich zu sein: gesundes Gewicht, keine Zigaretten, ausgewogene Kost und regelmäßige Bewegung (siehe hier Fit werden für den Eingriff). Aber nicht übertreiben! Radikalmaßnahmen bringen das Gleichgewicht des Körpers mehr durcheinander, als dass sie helfen.
Weniger offensichtlich sind vielleicht die Vorteile, die eine mentale Vorbereitung bringt. Es ist ganz natürlich, sich wegen einer anstehenden Operation Sorgen zu machen, und man sollte sich mit diesen Ängsten auseinandersetzen anstatt sie unter den Teppich zu kehren und in sich hineinzufressen. Es ist belegt, dass eine ruhige und positive Einstellung das Ergebnis einer Operation günstig beeinflussen und die Genesung fördern kann. Psychische Faktoren (wie innere Einstellung und Stimmung plus Unterstützung durch das soziale Umfeld) können eine bedeutende Rolle beim postoperativen Heilungsprozess spielen.
DIE RICHTIGEN FRAGEN STELLEN
Sie werden sich mit ziemlicher Sicherheit besser fühlen, wenn Sie im Vertrauen darauf, das Richtige zu tun und sich auf Ihren Chirurgen und sein Team verlassen zu können, in den Operationssaal kommen. Lesen Sie im Internet Informationen zu Ihrer Art von Eingriff und den Fragen, die Sie beschäftigen. Zu den vielen hilfreichen Webseiten gehört zum Beispiel www.operation.de.
Aufklärung und ausführliche Patientengespräche sind heute Standard. Falls Ihnen aber doch noch Fragen einfallen, sollten Sie diese bei der ersten Gelegenheit vorbringen. Das chirurgische Team wird das nicht als lästig empfinden, sondern Ihr Interesse begrüßen – es ist bekannt, dass Patienten zu Hause umso besser genesen, je mehr sie in ihre Versorgung im Krankenhaus eingebunden waren.
Fragen an den Arzt
Das Vorgespräch mit dem Chirurgen ist Ihre beste und vielleicht einzige Chance, sich Fragen zur Operation von einem Experten beantworten zu lassen. Scheuen Sie sich nicht nachzuhaken, bis Sie alles verstanden haben. Hier einige häufig gestellte Fragen:
• Ich bin mir unsicher wegen der Operation. Sollte ich eine Zweitmeinung einholen?
• Welche Erfahrungen haben Sie bei anderen Patienten mit diesem Eingriff gemacht?
• Gibt es alternativ ein nichtchirurgisches Verfahren? Wie erfolgversprechend wäre es?
• Wie dringend ist die Operation?
• Wie lange werde ich brauchen, um mich von dem Eingriff zu erholen? Wann werde ich wieder mobil sein?
• Kann ich jetzt schon etwas tun, um mich auf die Rehabilitation vorzubereiten?
• Was sind die spezifischen Risiken bei diesem Eingriff? Was werden Sie tun, um sie auf ein Minimum zu reduzieren?
• Können Sie verhindern, dass große Narben zurückbleiben?
Vor Ihrer Operation
Sobald der Zeitpunkt des Eingriffs feststeht, sollten Sie beginnen, sich seelisch und körperlich auf die Operation vorzubereiten und praktische Vorkehrungen für Ihre postoperative Genesung zu Hause zu treffen.
Ambulante Eingriffe
Manche Art von Eingriffen – beispielsweise eine Graue-Star- Operation, die unter lokaler Narkose nur wenige Minuten dauert – bedeutet keine größere Unterbrechung Ihrer Routine. Sie müssen sich allerdings auf jeden Fall abholen lassen oder ein Taxi nach Hause nehmen. Ruhen Sie sich mindestens eine Woche lang gut aus, und sorgen Sie dafür, dass die Wunde trocken und sauber bleibt.
Aufs Genesen vorbereiten
Selbst nach größeren Eingriffen bleiben die Patienten heute längst nicht mehr so lange im Krankenhaus wie noch vor 20 Jahren. Man kann somit in der Bequemlichkeit des eigenen Zuhauses wieder zu Kräften kommen, ohne die Unannehmlichkeiten und das Infektionsrisiko, die ein längerer Krankenhausaufenthalt mit sich bringt. Andererseits muss man nun viele Aspekte der Genesung ohne eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung selbst organisieren.
Bei einem festen Termin für die Operation bleibt Ihnen vermutlich reichlich Zeit zu überlegen, welche Hilfe Sie danach benötigen werden und ob Veränderungen in Ihren vier Wänden erforderlich sind. Inwieweit die Operation Sie körperlich beeinträchtigen wird, können Ihnen die Ärzte sagen und oft auch Freunde, die sich einem ähnlichen Eingriff unterziehen mussten. Im Internet mangelt es nicht an Einträgen mit Ratschlägen, wie sich der Alltag nach einer Operation am sinnvollsten gestalten lässt. Der folgende Vierstufenplan sollte dazu beitragen, dass die ersten Tage nach Ihrer Entlassung glatt verlaufen:
1 Versuchen Sie sich vorzustellen, wie Ihr Alltag während der Nacherholung wahrscheinlich ablaufen wird. Werden Sie zu Hause allein klarkommen? Um einfacher ins Bad zu gelangen, könnten Sie vielleicht in einem anderen Zimmer schlafen. Hat man Sie vorgewarnt, dass Sie wohl einen Toilettenstuhl brauchen werden? Dann können Sie einen mieten oder ausleihen. Das Deutsche Rote Kreuz hat einen Hilfsmittelverleih (www.drk.de/Angebote). Wenn Sie auf ein Auto angewiesen sind, müssen Sie überlegen, wann Sie wieder in der Lage sein werden, selbst zu fahren. Dabei müssen Sie allerdings die Auswirkungen von schmerzlindernden Medikamenten sowie die Nachwehen der Operation berücksichtigen (siehe hier Darf ich wieder Auto fahren?).
2 Fragen Sie den Chirurgen oder Stationsarzt, ab wann Sie nach Ihrer Operation wieder Sport treiben dürfen. Vielleicht rät der Chirurg Ihnen sogar zu einer bestimmten Sportart, um Muskeln und Gelenke gezielt zu trainieren. Das kann den Heilungsprozess deutlich beschleunigen.
3 Erkundigen Sie sich im Fall einer Knie- oder Hüftoperation nach Gehhilfen (zum Beispiel Krücken oder Gehgestell). Vielleicht werden sie sogar vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt?
4 Lassen Sie Handläufe und Haltegriffe in Ihrer Dusche anbringen, falls Sie so etwas benötigen. Für den Wohnraum brauchen Sie einen bequemen und stabilen Stuhl mit fester Rückenlehne und Armlehnen. Mit Kissen lässt sich die Sitzhöhe anpassen.
NEHMEN SIE BEREITWILLIG HILFE AN
Sie werden in dieser Zeit Hilfe brauchen. Scheuen Sie sich nicht, Freunde und Familie um Unterstützung zu bitten – die meisten sind froh, helfen zu dürfen. Hier einige Vorschläge, wie sich Unterstützung aus Ihrem Umfeld optimal nutzen lässt:
• Organisieren Sie jemanden, der bei Ihnen saubermacht und aufräumt. Eine unordentliche Umgebung schafft nur Stress, wenn Sie sich doch eigentlich erholen sollten.
• Schreiben Sie auf, wobei Sie Hilfe benötigen werden – Einkaufen, Wäschewaschen, Kochen, Kinderhüten? Fragen Sie Ihre freiwilligen Helfer, was ihnen am ehesten zusagt.
• Erstellen Sie einen Besucherplan. Viele mögen zunächst nur Partner, Kinder und engste Freunde um sich. Nach einer Woche sind dann auch neue Gesichter willkommen.
• Legen Sie sich einen Vorrat an Lebensmitteln an, bevor Sie ins Krankenhaus gehen. Falls möglich, bereiten Sie ein paar Ihrer Lieblingsgerichte zu und frieren diese ein. Wenn Sie nicht kochen können, bitten Sie jemanden, der Ihnen gern helfen möchte, es für Sie zu tun.
WAS DIVERSE EINGRIFFE ERFORDERN
Die präoperativen Vorbereitungen auf einen Eingriff und die speziellen Risiken und Voraussetzungen für die Heilung zu kennen trägt zu einem bestmöglichen Ergebnis bei. Manche vorbereitenden Maßnahmen muss man schon Wochen vor dem Eingriff treffen, andere erst ein paar Tage oder Stunden vorher. Die folgende Auflistung soll Ihnen eine gewisse Vorstellung davon geben, was bei unterschiedlichen Operationen zu berücksichtigen ist.
Bauchchirurgie Ihr Darm muss entleert sein, und Sie dürfen ab bestimmten Zeiten nichts mehr essen und trinken, wenn Sie am Bauch operiert werden. Das gilt auch für eine Leistenbruchoperation. Befolgen Sie die Anweisungen der Chirurgen und Schwestern genauestens.
Hysterektomie Nehmen Sie sich Zeit, die starken Emotionen, die eine bevorstehende Entfernung der Gebärmutter bei vielen Patientinnen hervorruft, zu verarbeiten. Vergewissern Sie sich, dass Sie über das Thema gut informiert und voll und ganz überzeugt sind, dass eine Operation in Ihrem Fall die beste Alternative ist. Sie werden danach nicht mehr Mutter werden können.
Krebsoperation Diese Art von Eingriff erfordert in vielen Fällen eine lange Narkose. Um sich gut zu erholen, brauchen Sie...