Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Jürgen Klinsmann und seiner Arbeitsweise als Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Bevor auf die spezifische Handlungsweise von Jürgen Klinsmann eingegangen wird, muss man den Menschen Jürgen Klinsmann kennen lernen, da dessen Handeln im Fokus der Arbeit steht. Das folgende Kapitel beschäftigt sich daher mit der Person und dem Leader Jürgen Klinsmann.
Zu Beginn wird der Mensch Jürgen Klinsmann betrachtet. Hierfür wird sein Leben in die Abschnitte Kindheit und Jugend, Fußballprofi im In- und Ausland, Leben in den USA und Ernennung zum Bundestrainer unterteilt. Es wird gezeigt, wie Jürgen Klinsmann zum Fußball gekommen ist und welche Stationen er während seiner Fußball-Karriere durchlaufen hat. Anschließend wird sein Leben nach dem Fußball geschildert und berichtet, wie er letztendlich im Sommer 2004 zum Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft ernannt wurde.
Jürgen Klinsmann wurde am 30. Juli 1964 in Göppingen geboren (Vgl. Mende/2006/S. 167). Er ist der zweite von vier Söhnen der Eltern Martha und Siegfried Klinsmann (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 54). Die Familie lebte in Gingen an der Fils, wo sich die Eltern mit einer eigenen Bäckerei selbstständig gemacht hatten. Als Jürgen Klinsmann eingeschult wurde, nahm ihn sein Vater Siegfried, selbst leidenschaftlicher Turner und Übungsleiter im Sportverein von Gingen, mit zum Turnen (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni./S. 57). Klinsmann konnte sich allerdings nicht für den Turnsport begeistern und fing deshalb an, Handball zu spielen, was ihm aber auch keinen Spaß bereitete. Im Winter 1972 nahmen ihn Freunde mit zum Fußballtraining und Jürgen Klinsmann hatte den Sport gefunden, der ihn später berühmt machen sollte. Er spielte seine erste Saison als Stürmer in der E-Jugend des TB Gingen und machte bereits damals auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam. In seiner ersten Fußball-Saison gewann sein Team ein Spiel gegen Aichelberg mit 20:0, Klinsmann selbst steuerte 16 Tore dazu bei (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 66). Insgesamt erzielte der junge Klinsmann in seiner ersten Saison 106 Tore.
1974, im Alter von 11 Jahren, wechselte Jürgen Klinsmann zum ersten Mal den Verein (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 58). Werner Gass, ein Nachbar der Familie, erkannte das Talent des jungen Stürmers und überzeugte die Eltern, dass ihr Sohn seine Fähigkeiten bei einem anderen Verein besser entwickeln könnte. So spielte Klinsmann ab 1974 für den SC Geislingen. 1978 wechselte er zu den Stuttgarter Kickers und wurde in die Jugend-Nationalmannschaft des DFB berufen (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/S. 60). Er spielte für den Verein sechs Jahre lang bis 1984, länger, als er später je bei einem anderen Verein bleiben sollte. Im Alter von 16 Jahren bekam Jürgen Klinsmann seinen ersten Profivertrag angeboten, der zwei Jahre darauf in Kraft treten sollte. Ebenfalls mit 16 begann er eine Ausbildung in der Bäckerei seines Vaters, da die Familie eine solide Ausbildung trotz der anstehenden Profilaufbahn für erforderlich hielt. Er absolvierte diese aus zweckmäßigen Gründen bei seinem Vater, der ihm die nötige Zeit für sein Fußballtraining gab. Im Alter von 18 Jahren bestritt er dann bei den Stuttgarter Kickers sein erstes Profispiel in der zweiten Fußball-Bundesliga (Vgl. Mende/2006/S. 104).
1984 feierte Jürgen Klinsmann beim VfB Stuttgart sein Debüt in der ersten Fußball-Bundesliga (Vgl. Horeni/2005/S. 65). Bereits in der Saison 1984/85 wurde er zum Stammspieler und spielte in 32 von 34 Spielen für seine Mannschaft, in denen er insgesamt 15 Treffer erzielte (Vgl. Mende/2006/S. 69). In seiner dritten Spielzeit für die Stuttgarter machte Klinsmann gegen den FC Bayern München das wohl spektakulärste Tor (siehe Abbildung 1) seiner Karriere, das später zum „Tor des Jahres 1987“ gewählt wurde (Vgl. Horeni/2005/S. 68).
Abbildung 1: „Tor des Jahres 1987“ durch Jürgen Klinsmann
1988 war ein erfolgreiches Jahr für den jungen Stürmer (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 69ff.). Zum einen feierte Klinsmann sein Nationalmannschafts-Debüt gegen Brasilien unter Trainer Franz Beckenbauer und spielte bei der EM in Deutschland für sein Land. Zum anderen wurde Klinsmann Torschützenkönig der Bundsliga mit 19 erzielten Treffern (Vgl. Mende/2006/S. 167). Obwohl sich Deutschland im Halbfinale der EM mit 2:1 gegen Holland geschlagen geben musste, begeisterte Klinsmann die Menschen und wurde mit fast 70 Prozent aller Stimmen zum „Fußballer des Jahres“ gewählt (Vgl. Horeni/2005/S. 70f.). Im gleichen Jahr wurde Klinsmann mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Seoul Dritter (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 167). 1989 verließ er den VfB Stuttgart nach vier Runden in Richtung Italien. In 156 Spielen schoss Jürgen Klinsmann insgesamt 79 Tore für die Schwaben.
1989 startete Jürgen Klinsmann in seine erste Saison im europäischen Ausland (Vgl. hierzu und im Folgenden: Mende/2006/S. 167). Er spielte in Italien für den Verein Inter Mailand und erzielte dort von 1989 bis 1992 insgesamt 34 Treffer in 95 Spielen. 1990 spielte Klinsmann in seiner neuen Heimat um den Weltmeister-Titel mit (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 85ff.). Im Achtelfinale trafen die Deutschen auf Holland, die Klinsmann quasi im Alleingang mit 2:1 besiegte. Deutschland wurde durch einen Finalsieg gegen Argentinien schließlich Weltmeister in Italien. Im Jahr darauf gewann er mit Inter Mailand den UEFA-Cup (Vgl. Mende/2006/S. 167).
Abbildung 2: Weltmeister Jürgen Klinsmann 1990
In seinem letzten Jahr in Italien erlitt Jürgen Klinsmann seinen ersten Karriereknick (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 95ff.). Im Verein machte er nur sieben Tore, weshalb er seinen Stammplatz im Nationalteam unter dem neuen Bundestrainer Berti Vogts verlor. Bei der EM 1992 in Schweden brach sich Rudi Völler im ersten Gruppenspiel den Arm, und nur deshalb stand Klinsmann wieder im Stammaufgebot von Vogts. Deutschland musste sich als Favorit im Endspiel gegen Dänemark mit 0:2 geschlagen geben.
Nach der EM in Schweden gab Jürgen Klinsmann im Juli 1992 seinen Wechsel zum AS Monaco bekannt (Vgl. Horeni/2005/S. 97). Die Spielweise seines dortigen Trainers Arsène Wenger, der viel Wert auf Teamgeist innerhalb der Mannschaft legte, sollte ihn nachhaltig beeindrucken und prägen (Vgl. Horeni/S. 104). Bereits vier Monate vor der WM 1994 in den USA verkündete Klinsmann seinen Weggang mit noch unbekanntem Ziel (Vgl. Horeni/S. 114). Er spielte in den beiden Jahren in 65 Spielen für den Verein und erzielte dabei 29 Tore (Vgl. Mende/2006/S. 167).
1993 spielte Jürgen Klinsmann mit der deutschen Nationalmannschaft um den US-Cup mit. Deutschland gewann das Finale 2:1 gegen England durch den entscheidenden Treffer von Klinsmann (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 109). Er wurde nach dem Turnier als bester Schütze und bester Spieler geehrt. 1994 stand Klinsmann im deutschen Aufgebot für die WM in den USA (Vgl. Mende/2006/S. 167). Durch ein 1:2 im Viertelfinale gegen Bulgarien war das Turnier für die Deutschen vorzeitig beendet (Vgl. Horeni/S. 113).
Abbildung 3: Klinsmann bei der WM 1994 in den USA
Nach der verlorenen WM holte Alan Sugar, Vorstandsvorsitzender der Tottenham Hotspurs, Jürgen Klinsmann in die englische Premier League (Vgl. hierzu und im Folgenden: Horeni/2005/S. 115ff.). Bereits am Ende seiner ersten Saison in England gab Klinsmann seinen Wechsel zum FC Bayern München bekannt, da ihm die Perspektiven in Tottenham zu limitiert erschienen (Vgl. Mende/2006/S. 77). In Deutschland wurde er im gleichen Jahr bereits zum zweiten Mal zum „Fußballer des Jahres“ gewählt (Vgl. Mende/S.167). 1995 avancierte er mit 29 Toren zum Welttorjäger und wurde als erster Deutscher in England „Fußballer des Jahres“ (Vgl. Mende/S. 77). Jürgen Klinsmann erzielte in der einen Spielzeit bei den Tottenham Hotspurs 20 Tore in 41 Spielen (Vgl. Mende/S. 167).
Abbildung 4: „Fußballer des Jahres“ 1994
1995 kehrte Jürgen Klinsmann nach sechs Jahren im Ausland nach Deutschland zurück, um für den FC Bayern München zu spielen (Vgl. Mende/2006/S. 167). Am 19. Juni des gleichen Jahres heiratete er seine Freundin Debbie Chin in Kalifornien (Vgl. Horeni/2005/S. 134) und gründete die Kinderstiftung Agapedia, die sich um Waisen- und Straßenkinder in Osteuropa kümmert und nach Pflege- und Adoptiveltern für diese Kinder sucht (Vgl. Mende/2006/S. 119). Ebenfalls im gleichen Jahr machte der Bundestrainer Berti Vogts den schwäbischen Stürmer zum neuen Kapitän der Nationalmannschaft (Vgl. hierzu und im Folgenden Horeni/2005/S....